Wenn sich am Haarwirbel zunehmend die Kopfhaut zeigt, fällt das vielen Betroffenen zunächst vor allem beim Blick von oben oder auf Fotos auf. Aus einer kleinen lichten Stelle kann sich mit der Zeit eine größere kahle Fläche am hinteren Oberkopf entwickeln – die sogenannte Tonsur, umgangssprachlich häufig auch Mönchsglatze genannt.
Eine Haartransplantation der Tonsur kann auch in diesem Bereich eingesetzt werden. Doch ausgerechnet die Tonsur verlangt eine besonders vorausschauende Planung. Der Grund liegt nicht nur in der Größe der zu behandelnden Fläche, sondern vor allem im natürlichen Haarwirbel, in der begrenzten Zahl verfügbarer Spenderhaare und in der Frage, wie weit der erblich bedingte Haarausfall künftig noch fortschreiten wird.
Wer bei der Planung ausschließlich die heute sichtbare kahle Stelle betrachtet, denkt möglicherweise zu kurz. Denn Grafts, die für die Tonsur verwendet werden, stehen später nicht mehr für Mittelkopf, Vorderkopf oder Haarlinie zur Verfügung. Eine gute Beratung sollte deshalb die aktuelle Situation immer zusammen mit der möglichen weiteren Entwicklung des Haarausfalls und der langfristig verfügbaren Donorreserve beurteilen.
Was bedeutet Tonsur oder Mönchsglatze?
Die Tonsur liegt am hinteren oberen Teil des Kopfes. Genau hier befindet sich bei den meisten Menschen der natürliche Haarwirbel. Beginnt eine androgenetische Alopezie in diesem Bereich, wird zunächst häufig nur im Zentrum des Wirbels mehr Kopfhaut sichtbar. Mit fortschreitendem Haarverlust kann sich die ausgedünnte Fläche immer weiter vergrößern.
Wie schnell und wie weit sich ein erblich bedingter Haarausfall entwickelt, ist individuell verschieden. Deshalb sollte eine operative Planung nicht ausschließlich auf einer Momentaufnahme beruhen.
Warum die Tonsur bei einer Haartransplantation langfristig betrachtet werden sollte
Der wichtigste Grund ist die begrenzte Menge an Spenderhaar. Bei einer Eigenhaartransplantation werden vorhandene Haarfollikel lediglich neu verteilt. Eine einmal in die Tonsur verpflanzte follikuläre Einheit kann später nicht noch einmal für den Vorderkopf oder die Haarlinie verwendet werden.
Das bedeutet keineswegs, dass eine Tonsur grundsätzlich nur zurückhaltend behandelt werden darf. Es bedeutet vielmehr, dass die eingesetzte Graftzahl zur individuellen Gesamtsituation passen sollte.
Eine gute Ausgangsbasis ist deshalb eine fundierte Beratung vor der Haartransplantation . Neben der aktuell störenden Tonsur sollten dabei auch Alter, bisheriger Verlauf, mögliche weitere Ausdünnung und insbesondere die langfristige Kapazität des Spenderbereichs berücksichtigt werden.
Das eigentliche Problem: Niemand kennt den zukünftigen Haarverlust exakt
Ein Patient kann heute hauptsächlich Haare in der Tonsur verlieren und ansonsten noch einen relativ guten Haarstatus besitzen. Daraus lässt sich jedoch nicht mit absoluter Sicherheit ableiten, wie die Situation in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird.
Schreitet die androgenetische Alopezie weiter fort, können neben der Tonsur später auch Mittelkopf, Vorderkopf und Haarlinie betroffen sein. Bei sehr großen kahlen Flächen trifft dann ein entsprechend hoher Bedarf auf eine begrenzte Donorreserve.
Je größer die zukünftig zu versorgende Fläche wird, desto wichtiger wird die Priorisierung. Bei fortgeschrittenem Haarausfall kann das Spendermaterial je nach Donordichte, Haarkaliber, Kopfgröße und angestrebter Dichte nicht ausreichen, um jeden kahlen Quadratzentimeter gleichermaßen dicht zu bepflanzen.
Das Thema der begrenzten Spenderreserve wird auch in unserem ausführlichen Ratgeber über Mythen und Irrtümer rund um die Haartransplantation näher erläutert.
Warum der Haarwirbel bei der Tonsur eine besondere Rolle spielt
Ein zweiter Punkt unterscheidet die Tonsur beispielsweise von einer geradlinig aufgebauten Fläche im Mittelkopf: der Haarwirbel. Die Haare verlaufen hier nicht parallel in eine Richtung. Vom Zentrum des Wirbels aus ändern sich Winkel und Wuchsrichtung kontinuierlich.
Das erklärt auch, weshalb im Zentrum eines natürlichen Haarwirbels selbst bei Menschen mit gutem Haarbestand etwas Kopfhaut sichtbar sein kann. Licht, Betrachtungswinkel, Haarlänge, Haardicke sowie der Kontrast zwischen Haar- und Hautfarbe beeinflussen den optischen Eindruck zusätzlich.
Eine Tonsur kann deshalb viele Grafts aufnehmen, ohne dass unter jedem Licht und aus jedem Blickwinkel eine vollständig blickdichte Fläche entsteht. In der Haarchirurgie wird der Crown-Bereich daher gelegentlich bildlich als „schwarzes Loch“ für Grafts bezeichnet.
Wie dicht sollte eine Tonsur verpflanzt werden?
Die höchste technisch mögliche Dichte ist nicht automatisch die sinnvollste Dichte. Entscheidend ist vielmehr, mit den verfügbaren Grafts eine überzeugende optische Verbesserung zu erreichen und gleichzeitig die langfristige Planung im Auge zu behalten.
Bei günstigen Voraussetzungen können kräftige Haare, ein geringer Kontrast zwischen Haar und Kopfhaut sowie eine geeignete Haarstruktur einen sehr guten optischen Abdeckungseffekt erzeugen. Bei feinem Haar, starkem Haar-Haut-Kontrast oder einer großen Tonsur können dagegen mehr Grafts erforderlich sein.
Weiterführende Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag über Haartransplantation und Dense Packing .
Befinden sich in der Tonsur noch zahlreiche eigene, bereits miniaturisierte Haare, sollte außerdem das mögliche Risiko eines Shock Loss berücksichtigt werden. Ausführliche Informationen finden Sie unter Verdichtung und Shock Loss nach einer Haartransplantation .
Wie viele Transplantate benötigt man für eine Haarverpflanzung der Mönchsglatze/Tonsur?
Eine seriöse Anzahl von Transplantaten/Grafts lässt sich nicht allein anhand des Begriffs „Mönchsglatze“ nennen. Zwei optisch ähnlich große Tonsuren können einen sehr unterschiedlichen Behandlungsbedarf haben.
Zu berücksichtigen sind insbesondere die Größe der Fläche, vorhandene Resthaare, Haarkaliber und Haarstruktur, der Haar-Haut-Kontrast, die Beschaffenheit und Reserve des Donors sowie die angestrebte optische Dichte.
Die folgenden Bilder zeigen ausschließlich den jeweiligen Resultatstatus nach Tonsur-Haartransplantationen mit unterschiedlichen Graftzahlen. Die Fälle stammen von Dr. Bijan Feriduni. Die genannten Zahlen sollen keine Empfehlung für andere Patienten darstellen, sondern verdeutlichen, wie unterschiedlich der Graftbedarf ausfallen kann.
Wichtig: Aus der Graftzahl eines einzelnen Resultats lässt sich nicht ableiten, wie viele FUs eine andere Person benötigt. Eine individuelle Untersuchung und Planung bleibt erforderlich.
Das Donorgebiet (der Spenderbereich) entscheidet über die langfristigen Möglichkeiten
Bei der Beurteilung einer Tonsur wird verständlicherweise zuerst auf die kahle Stelle geschaut. Für die Operationsplanung ist das Donorgebiet jedoch mindestens genauso wichtig.
Bei einer FUE werden follikuläre Einheiten einzeln aus dem Spenderbereich entnommen. Wie die Methode grundsätzlich funktioniert, erläutern wir ausführlich unter FUE-Haartransplantation .
Eine zu aggressive Entnahme kann die Möglichkeiten für spätere Eingriffe reduzieren und den Donor sichtbar ausdünnen. Aus diesem Grund sollte nicht nur gefragt werden, wie viele Grafts aktuell entnommen werden können, sondern wie viele unter Berücksichtigung der Gesamtsituation sinnvoll eingesetzt werden sollten.
Fotos können bei einer ersten Einschätzung helfen. Die tatsächlich nutzbare Donorreserve und die medizinische Eignung sollten jedoch persönlich durch einen erfahrenen Haarchirurgen untersucht werden.
Eine Haartransplantation stoppt den weiteren Haarausfall nicht
Ein weiterer wichtiger Punkt wird gelegentlich übersehen: Transplantierte Haare ersetzen verlorene Haare, die Operation verhindert jedoch nicht automatisch den weiteren androgenetischen Haarausfall der vorhandenen, nicht transplantierten Haare.
Gerade bei einer Verdichtung zwischen bestehenden Haaren kann sich das Erscheinungsbild deshalb auch nach einer Operation im Laufe der Jahre verändern. Ob eine zusätzliche medikamentöse Stabilisierung des erblich bedingten Haarausfalls infrage kommt, sollte individuell mit einem entsprechend qualifizierten Arzt besprochen werden.
Wann kann eine Tonsur-Haartransplantation sinnvoll sein?
Es gibt keine Alters- oder Graftzahl, die für alle Patienten gleichermaßen gilt. Eine über Jahre weitgehend stabile, isolierte Tonsur kann beispielsweise anders geplant werden als ein beginnender Crown-Haarausfall bei einem jungen Patienten, bei dem ein deutlich weiter fortschreitendes Muster möglich erscheint.
Zu einer sinnvollen Beurteilung gehören deshalb mehrere Fragen: Wie groß ist die Tonsur? Wie entwickelt sich der Haarverlust? Wie viele eigene Haare sind noch vorhanden? Wie gut ist der Donor? Welche Fläche könnte langfristig noch hinzukommen? Und welche Dichte erwartet der Patient?
Genau aus diesem Grund ist eine Haartransplantation nicht nur eine Frage der maximal möglichen Graftzahl. Einen umfassenden Überblick über Methoden, Ablauf, Risiken und Planung finden Sie in unserem großen Ratgeber zur Haartransplantation .
Aufklärungsvideo: Haartransplantation der Tonsur
Im ergänzenden Aufklärungsvideo erklärt Andreas Krämer, weshalb bei einer Tonsur-Haartransplantation langfristige Donorplanung und realistische Erwartungen an die Dichte besonders wichtig sind.
Zusammenfassung: Eine Tonsur sollte nie isoliert geplant werden
Eine Haartransplantation bei Tonsur oder Mönchsglatze kann den optischen Eindruck erheblich verbessern. Gerade der Crown- bzw. Vertex-Bereich macht jedoch deutlich, weshalb eine gute Haartransplantation mehr ist als die Frage, wie viele Grafts auf eine kahle Fläche passen.
Der natürliche Haarwirbel, die Größe der Tonsur, die erreichbare optische Dichte, die Qualität des Spenderbereichs und vor allem ein möglicherweise fortschreitender Haarausfall sollten gemeinsam betrachtet werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie dicht kann meine Tonsur heute transplantiert werden?“ Ebenso wichtig ist: „Wie setzen wir die begrenzten Spenderhaare so ein, dass die Planung auch langfristig sinnvoll bleibt?“
Viel gestellte Fragestellungen zur Haartransplantation einer Mönchsglatze/Tonsur
Kann eine Mönchsglatze transplantiert werden?
Grundsätzlich können auch kahle oder stark ausgedünnte Bereiche der Tonsur mit Eigenhaar behandelt werden. Ob eine Operation sinnvoll ist und welcher Umfang infrage kommt, hängt unter anderem vom Haarausfallsmuster und der verfügbaren Donorreserve ab.
Wie viele Transplantate/FU`s benötigt man für die Tonsur (Mönchsglatze)?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Fläche, vorhandene Eigenhaare, Haarkaliber, Haarstruktur, Haar-Haut-Kontrast, gewünschte Dichte und Spenderreserve beeinflussen den individuellen Bedarf.
Warum braucht die Tonsur teilweise so viele Grafts?
Eine Tonsur kann eine große Fläche umfassen. Gleichzeitig wachsen die Haare am natürlichen Wirbel in verschiedene Richtungen. Dadurch kann Kopfhaut je nach Blickwinkel und Beleuchtung leichter sichtbar werden.
Kann nach einer gelungenen Tonsur-Haartransplantation noch Kopfhaut sichtbar sein?
Ja. Das kann insbesondere bei starkem Licht, nassem oder kurzem Haar sowie direkt im Zentrum des Wirbels vorkommen. Selbst bei natürlich dichtem Haar kann am Haarwirbel etwas Kopfhaut sichtbar sein.
Warum sollte man nicht einfach maximal viele Grafts in die Tonsur transplantieren?
Weil Spenderhaare nur begrenzt zur Verfügung stehen. Schreitet der Haarausfall später in anderen Bereichen des Oberkopfes fort, können dort weitere Grafts benötigt werden. Deshalb sollte die aktuelle Behandlung Teil einer langfristigen Gesamtplanung sein.
Stoppt eine Tonsur-Haartransplantation den weiteren Haarausfall?
Nein. Eine Haartransplantation ersetzt Haare in behandelten Bereichen, verhindert aber nicht automatisch den weiteren erblich bedingten Verlust der vorhandenen nicht transplantierten Haare.
Bildnachweis: Das zur Veranschaulichung des natürlichen Haarwirbels verwendete Stockfoto stammt aus Adobe Stock, Datei 1626512185. Die dargestellten Resultatbilder der Tonsur stammen von Dr. Bijan Feriduni.