Was der Hinweisbeschluss des OLG Hamm vom 24.03.2025 für FUE-Haartransplantationen, ärztliche Kernleistungen, Delegation und Patienten in Deutschland bedeutet.
Aktualisiert: August 2026 | Haartransplantation.de
Graft-Entnahme und Slitsetzung: Im konkreten FUE-Fall bestätigte das OLG Hamm die Bewertung als ärztliche Kernleistungen.
Der 3. Zivilsenat stellte in seinem Hinweisbeschluss fest, dass die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Landgerichts Dortmund nach seiner einstimmigen Auffassung offensichtlich keine Aussicht auf Erfolg hatte.
Für Patienten ist die praktische Konsequenz besonders wichtig: Nicht nur der Name einer Klinik zählt, sondern wer am OP-Tag tatsächlich welche Arbeitsschritte durchführt.
Wichtige juristische Einordnung: Der Beschluss vom 24.03.2025 ist ein Hinweisbeschluss nach § 522 Abs. 2 ZPO. Das OLG Hamm kündigte darin an, die Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Dortmund einstimmig zurückweisen zu wollen, weil sie nach Auffassung des Senats offensichtlich keine Aussicht auf Erfolg hatte. Die zugesprochenen Beträge stammen aus dem erstinstanzlichen Urteil; das OLG bestätigte die maßgeblichen rechtlichen und medizinischen Bewertungen in seiner Begründung.
Der Fall: FUE-Haartransplantation größtenteils durch nichtärztliches Personal
Im Verfahren ging es um eine FUE-Haartransplantation vom 11.03.2020. Nach den im Beschluss wiedergegebenen Feststellungen war der beteiligte Arzt im Wesentlichen für das Aufklärungsgespräch und die lokale Betäubung zuständig, während weitere operative Arbeitsschritte durch nichtärztliche Mitarbeiter vorgenommen wurden.
Nach der fachlichen Bewertung im Verfahren führte eine zu starke beziehungsweise unregelmäßige Entnahme im Spenderbereich zu einem sichtbar unnatürlichen Erscheinungsbild. Gerade dieser Punkt zeigt, weshalb die Entnahme nicht als bloßer technischer Handgriff betrachtet werden sollte.
Im konkreten Fall problematisch
- Wesentliche operative Schritte durch nichtärztliches Personal
- Unregelmäßige beziehungsweise zu starke Entnahme im Spenderbereich
- Dauerhafte optische Beeinträchtigung
- Nur eingeschränkte Korrekturmöglichkeiten
Für Patienten entscheidend
- Wer entnimmt die Grafts?
- Wer setzt die Slits beziehungsweise Empfangsöffnungen?
- Wer implantiert die Grafts?
- Welche Schritte führt der Arzt persönlich durch?
Was das OLG Hamm in seinem Hinweisbeschluss bestätigt
Das Landgericht Dortmund hatte dem Kläger 8.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen und die Klinik zur Rückzahlung des Behandlungshonorars von 6.000 Euro verurteilt. Außerdem wurde die Ersatzpflicht für weitere materielle und bestimmte zukünftige immaterielle Schäden festgestellt.
Das OLG Hamm bewertete die Berufung hiergegen als offensichtlich unbegründet und bestätigte insbesondere, dass die Haartransplantation behandlungsfehlerhaft durchgeführt worden war.
Die zentralen Aussagen
- Die FUE-Graft-Entnahme wurde im konkreten Verfahren als ärztliche Kernleistung bewertet.
- Auch das Setzen der Slits beziehungsweise Empfangsöffnungen wurde als ärztliche Kernleistung bewertet.
- Diese Schritte durften nach der im Beschluss bestätigten fachlichen Bewertung nicht an nichtärztliches Personal delegiert werden.
- Das Einsetzen der Grafts in bereits vorbereitete Slits wurde davon ausdrücklich unterschieden und als delegierbar bewertet.
- Die Klinik musste organisatorisch sicherstellen, dass nicht delegierbare Tätigkeiten durch ärztliche Mitarbeiter ausgeführt werden.
Für Patienten bedeutet das: Nicht nur fragen, welcher Arzt auf der Webseite steht – sondern wer am OP-Tag Entnahme, Slitsetzung und Implantation tatsächlich übernimmt.
Wer darf bei einer FUE-Haartransplantation welche Schritte durchführen?
Eine Haartransplantation ist Teamarbeit. Der OLG-Hamm-Beschluss bedeutet deshalb nicht, dass jede einzelne Tätigkeit ausschließlich vom Arzt persönlich durchgeführt werden muss. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen ärztlichen Kernleistungen und delegierbaren Tätigkeiten.
| Arbeitsschritt | Einordnung im OLG-Hamm-Verfahren | Warum relevant? |
|---|---|---|
| Diagnose, Anamnese & Planung | Ärztliche Verantwortung | Ausgangslage, Spenderbereich, Haarausfall und langfristige Strategie müssen medizinisch beurteilt werden. |
| Entnahme der FUs / Grafts | Ärztliche Kernleistung | Gewebeentnahme, Narbenbildung und Verteilung der Entnahmen beeinflussen den Spenderbereich dauerhaft. |
| Setzen der Slits / Empfangsöffnungen | Ärztliche Kernleistung | Tiefe, Breite, Position und Richtung beeinflussen Ästhetik und Wuchsrichtung. |
| Einsetzen in vorbereitete Slits | Nach der Sachverständigenbewertung delegierbar | Teamarbeit ist möglich, sofern Qualifikation, Organisation und rechtliche Grenzen eingehalten werden. |
Auch die ISHRS bezeichnet Eingriffe, bei denen Haut inzidiert oder Gewebe entnommen beziehungsweise Empfängerstellen geschaffen werden, als chirurgische Tätigkeiten. In ihrer aktuellen Position verlangt sie hierfür entsprechend ausgebildete und lizenzierte Ärzte; zugleich weist sie darauf hin, dass nationale Berufs- und Zulassungsregeln für bestimmte akkreditierte Gesundheitsberufe abweichen können.
Patienten-Check: Diese Fragen vor der Operation schriftlich klären
Viele Missverständnisse entstehen, weil Patienten lediglich den Namen der Klinik oder eines Arztes kennen, aber nicht wissen, wie der tatsächliche OP-Ablauf organisiert ist. Deshalb sollten diese Punkte möglichst vor der Buchung und nicht erst am OP-Tag geklärt werden:
- Welcher Arzt ist für meine Operation konkret verantwortlich?
- Wer entnimmt beziehungsweise exzidiert die Grafts?
- Wer setzt die Empfangsöffnungen / Slits?
- Wer setzt anschließend die Grafts ein?
- Welche Tätigkeiten werden an Assistenzpersonal delegiert?
- Welche Qualifikation haben die beteiligten Personen?
- Ist der verantwortliche Arzt während der entscheidenden OP-Schritte tatsächlich anwesend?
- Arbeitet der Anbieter regelmäßig mit demselben Arzt und demselben Team?
- Wer ist bei Komplikationen oder Problemen nach der Operation verantwortlich und erreichbar?
Wichtig: Rechtliche Zulässigkeit und haarchirurgische Qualität sind nicht dasselbe. Auch eine rechtlich korrekt organisierte Operation ist nicht automatisch eine ästhetisch hervorragende Haartransplantation. Erfahrung, Spezialisierung, Haarliniendesign, Donormanagement, Wuchsrichtung und langfristige Planung bleiben ebenso entscheidend.
Warum ein geschädigter Spenderbereich besonders problematisch ist
Eine Haartransplantation vermehrt keine Haare. Sie verteilt die vorhandenen, begrenzten Spenderhaare lediglich neu. Werden Grafts zu dicht, unregelmäßig oder aus ungeeigneten Bereichen entnommen, kann der Donor sichtbar ausgedünnt und eine spätere Korrektur erheblich erschwert werden.
Aktuelle Fälle aus Deutschland: Warum der OLG-Beschluss weiterhin hochrelevant ist
Die Frage, wer bei einer Haartransplantation tatsächlich operiert, ist keineswegs nur ein theoretisches oder abgeschlossenes Thema. Zwei neuere Beiträge auf Haartransplantation.de zeigen, weshalb Patienten auch heute bei Klinikstruktur, ärztlicher Verantwortung und Transparenz genau hinschauen sollten.
Beste Klinik finden & Spezialisierung prüfen
Der zentrale Deutschland-Ratgeber erklärt, wie Patienten Arzt, Spezialisierung, Ergebnisse, OP-Ablauf und langfristige Planung beurteilen können.
Haartransplantation DeutschlandWer operiert tatsächlich?
Der aktuelle Tagesspiegel-Bericht rückt undurchsichtige Strukturen und die Frage nach der tatsächlichen ärztlichen Leistungserbringung erneut in den Mittelpunkt.
Tagesspiegel-Einordnung lesenKlinikwahl & Transparenz
Der Fall eines RTL-Verbraucherexperten zeigt, dass ein professioneller Außenauftritt, Empfehlungen oder schöne Räume allein keine zuverlässige Qualitätskontrolle ersetzen.
RTL-Fall zur KlinikwahlExperteninterview mit Medizinrechtsanwalt Christoph Bomke
Bereits Anfang 2024 habe ich mich in Berlin mit Rechtsanwalt Christoph Bomke ausführlich über misslungene Haartransplantationen, Ärztepflichten, Delegation, Aufklärung und mögliche Ansprüche von Patienten unterhalten. Viele der damals besprochenen Fragen stehen auch im Mittelpunkt des später veröffentlichten OLG-Hamm-Beschlusses.
Themen im Interview
- 03:59 – Wer darf was? Ärzte vs. Assistenten
- 07:31 – Aufklärungspflichten vor der OP
- 13:02 – Haftung & Versicherung
- 22:52 – Ansprüche nach Pfusch
- 30:19 – Prozesskosten & Rechtsschutz
Medizinrechtliche Unterstützung
Betroffene sollten Behandlungsunterlagen, Rechnungen, Aufklärungsunterlagen und den Verlauf möglichst vollständig sichern. Bei einem konkreten Verdacht auf Behandlungs- oder Aufklärungsfehler kann eine individuelle medizinrechtliche Prüfung sinnvoll sein.
Haartransplantation-Geschädigte.deHinweis für Patienten in der Schweiz
Auch in der Schweiz sollten Patienten vor einer Haartransplantation konkret klären, welche Tätigkeiten der verantwortliche Arzt selbst ausführt und welche Aufgaben delegiert werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind jedoch nicht mit Deutschland gleichzusetzen und müssen nach schweizerischem Recht beurteilt werden.
Weitere mediale Einordnung
Im Juni 2025 wurde ich von Blick zur Entwicklung des Haartransplantationsmarktes und zu Risiken befragt. Auch dort war ein zentrales Thema, dass ein medizinischer Eingriff nicht durch Preis, Marketing oder den Eindruck eines unkomplizierten Beauty-Termins verharmlost werden sollte.
Fazit: Wer operiert, ist wichtiger als der Name auf der Kliniktür
Der OLG-Hamm-Beschluss ist für Patienten deshalb so relevant, weil er eine Frage konkret macht, die bei der Klinikwahl häufig zu wenig beachtet wird: Wer übernimmt tatsächlich die invasiven und ästhetisch entscheidenden OP-Schritte?
- Vor der OP die tatsächliche Aufgabenverteilung klären.
- Entnahme und Slitsetzung nicht mit allgemeiner „Teamarbeit“ verwechseln.
- Die Erfahrung und Spezialisierung des konkret operierenden Arztes prüfen.
- Den begrenzten Spenderbereich langfristig und konservativ planen.
- Bei unklaren Antworten lieber weiter recherchieren als vorschnell buchen.
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Häufige Fragen zum OLG-Hamm-Beschluss und zur Ärztepflicht
Was hat das OLG Hamm zur FUE-Haartransplantation entschieden?
Im Hinweisbeschluss vom 24.03.2025 (Az. 3 U 89/24) bewertete der Senat die Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Dortmund als offensichtlich aussichtslos. Er bestätigte insbesondere die Bewertung, dass die Graft-Entnahme und das Setzen der Slits im konkreten Fall ärztliche Kernleistungen waren.
Ist der Beschluss vom 24.03.2025 ein Urteil?
Nein. Die veröffentlichte Entscheidung ist ein Hinweisbeschluss nach § 522 Abs. 2 ZPO. Das OLG teilte darin mit, dass es beabsichtigte, die Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil einstimmig zurückzuweisen.
Dürfen Assistenten bei einer Haartransplantation mitarbeiten?
Ja. Haartransplantationen sind Teamarbeit. Im OLG-Hamm-Verfahren wurde aber zwischen nicht delegierbaren ärztlichen Kernleistungen und delegierbaren Tätigkeiten unterschieden. Das Einsetzen der Grafts in bereits vorbereitete Slits wurde als delegierbar bewertet, Entnahme und Slitsetzung dagegen nicht.
Wer darf nach der im Beschluss bestätigten Bewertung die Grafts entnehmen?
Die Entnahme der FUs beziehungsweise Grafts wurde als ärztliche Kernleistung bewertet, die wegen des erforderlichen spezifischen Fachwissens nicht an nichtärztliches Personal delegiert werden durfte.
Warum ist das Setzen der Slits so wichtig?
Die Slits bestimmen unter anderem Position, Tiefe und Wuchsrichtung der transplantierten Haare. Im Verfahren wurde dieser Arbeitsschritt deshalb als ästhetisch besonders relevant und als ärztliche Kernleistung eingeordnet.
Welche Beträge wurden dem Patienten zugesprochen?
Das Landgericht Dortmund sprach 8.000 Euro Schmerzensgeld und die Rückzahlung des Behandlungshonorars von 6.000 Euro zu. Zusätzlich wurde eine Ersatzpflicht für weitere materielle und bestimmte zukünftige immaterielle Schäden festgestellt. Das OLG bewertete die Berufung hiergegen als offensichtlich aussichtslos.
Ist eine deutsche Klinik automatisch sicherer oder besser?
Nein. Ein Standort in Deutschland bietet einen rechtlichen Rahmen, sagt aber allein nichts über die haarchirurgische Qualität, die Erfahrung des konkreten Operateurs oder die tatsächliche Aufgabenverteilung am OP-Tag aus.
Was sollte ich vor einer Haartransplantation konkret fragen?
Klären Sie insbesondere, welcher Arzt Sie operiert, wer die Grafts entnimmt, wer die Slits setzt, wer implantiert, welche Tätigkeiten delegiert werden und wer bei Komplikationen verantwortlich und erreichbar ist.
Wo finde ich Informationen nach einer misslungenen Haartransplantation?
Auf Haartransplantation.de gibt es einen ausführlichen Ratgeber zu misslungenen Haartransplantationen und rechtlicher Hilfe .
Quellen & weiterführende Informationen
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OLG Hamm, Hinweisbeschluss vom 24.03.2025, Az. 3 U 89/24
Originalentscheidung bei NRW-Justiz -
International Society of Hair Restoration Surgery (ISHRS)
Position Statement on Qualifications for Scalp Surgery -
Aktuelle Einordnung zu Deutschland
Tagesspiegel-Bericht: Wer operiert bei Haartransplantationen tatsächlich? -
Klinikwahl und Transparenz
RTL-Fall: Warum Patienten genauer hinschauen sollten
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei einem konkreten Fall sollten Betroffene qualifizierte medizinische und rechtliche Beratung einholen.