Warum viele Patienten nach der OP zu vorsichtig sind
Nach einer Haartransplantation möchten die meisten Patienten alles richtig machen – verständlich, denn eine Haarverpflanzung ist mit hohen Erwartungen und oft auch mit hohen Kosten verbunden. In den ersten 10 Tagen ist eine vorsichtige Behandlung der transplantierten Fläche absolut wichtig, um die Grafts nicht zu beschädigen.
Doch genau danach beginnt der Fehler, den viele machen.
Ab dem 11. Tag: Grafts sind sicher verankert

Was viele nicht wissen: Bereits ab dem 11. Tag nach der Haartransplantation (teils sogar früher) sind die transplantierten Haarfollikel fest in der Kopfhaut verankert. Selbst wenn man ein Haar mit einer Pinzette herauszieht, bleibt die Haarpapille – also das Wachstumselement – in der Haut.
Es besteht keine Gefahr mehr, Grafts durch normale Pflege zu beschädigen.
Übervorsicht 11. Tage nach der Haartransplantation kann der Heilung sogar schaden

Genau hier entsteht ein häufiger Fehler: Viele Patienten bleiben auch nach Tag 11 nach der Haartransplantation übervorsichtig – sie waschen ihre Haare kaum, behandeln die Kopfhaut extrem zaghaft oder lassen Krusten über Wochen bestehen.
- Verzögerte Heilung
- Krusten, die zu lange bleiben
- Sichtbare Ablagerungen
- Mögliche Hautreizungen
Ab Tag 11: Gründliches Waschen und Reiben ist erlaubt

Sobald die Grafts sicher sind, darf (und sollte) der Bereich wieder ganz normal gewaschen, gerieben und massiert werden – ruhig auch zweimal täglich. Eine gründliche Reinigung hilft dabei, Krusten schneller zu lösen und die Kopfhaut sauber zu halten.
Shedding: Der natürliche Haarausfall nach der OP

Shedding nach Haarverpflanzung: Ausfall nahezu aller transplantierten Grafts – ein normaler
Prozess
In den ersten Wochen nach der Haartransplantation kommt es zum sogenannten Shedding: Die eingesetzten Haare fallen aus – das ist völlig normal. Dabei lösen sich oft Haarfragmente mit Wurzel und Zwiebel, die jedoch keine Verbindung mehr zur Haarpapille haben. Sie sind „leblose Fragmente“ und sollten die Kopfhaut möglichst bald verlassen, damit keine Reizungen oder Entzündungen entstehen.
Video: Andreas Krämer klärt über den häufigsten Fehler nach einer Haartransplantation auf
Im folgenden Video erklärt Andreas Krämer, unabhängiger Berater für Haartransplantation seit 2004, anhand von Bildern und Beispielen, warum übertriebene Vorsicht ab Tag 11 kontraproduktiv ist – und wie man es richtig macht:
Hier geht’s zum Video auf YouTube
Fazit: Keine Angst ab Tag 11 – im Gegenteil
Nach Tag 11 hilft eine aktive, gründliche Pflege, um die Heilung zu unterstützen. Wer zu vorsichtig bleibt, verzögert den Heilungsprozess, verlängert unnötig die Krustenbildung, riskiert Reizungen und Entzündungen der Kopfhaut – ohne Vorteil für das spätere Ergebnis. Die Anwuchsrate wird durch „Schonung“ nicht verbessert.